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Warum der Herbst sich für Selbstpräsentation eignet

Wenn die Tage kürzer werden, verschiebt sich vieles nach drinnen: Teamrunden, Jahresgespräche, Weiterbildungen, Einladungen zu Veranstaltungen am Jahresende. In diesen Wochen stellen sich viele Berufstätige häufiger vor, als ihnen bewusst ist, etwa gegenüber neuen Kolleginnen, Kunden oder Gästen einer Runde. Genau deshalb lohnt es sich, die eigene Vorstellung jetzt zu klären, bevor der Terminkalender voll wird.

In meinen Kursen sehe ich immer wieder, dass Menschen ihre Selbstpräsentation für selbstverständlich halten. Sie sagen Name, Funktion und einen Satz zum Arbeitsbereich, und danach wird es unruhig. Dabei ist eine gute Vorstellung weniger eine Frage des Talents als der Vorbereitung. Wer weiß, was er sagen möchte, kann ruhiger sprechen und den Blick bei den Zuhörenden lassen.

Zuerst klären: Wer sind Sie und was zeichnet Sie aus?

Bevor Sie üben, wie Sie auftreten, brauchen Sie etwas, das es wert ist, vorgetragen zu werden. Nehmen Sie sich einen ruhigen Abend und schreiben Sie auf, welche Aufgaben Sie wirklich gern übernehmen, wofür Kollegen Sie um Rat fragen und welche Erfahrung Sie von anderen unterscheidet. Es geht nicht um Superlative, sondern um Genauigkeit.

Aus diesen Notizen entsteht ein kurzer Kern, den Sie in zwei oder drei Sätzen sagen können. Er beantwortet, was Sie tun, für wen und worauf andere sich bei Ihnen verlassen können. Ich bitte die Teilnehmenden, diesen Kern zunächst nur zu sprechen und nicht zu glätten. Kleine Holprigkeiten zeigen oft, wo ein Satz noch nicht Ihrer ist.

  • Welche Aufgabe erledigen Sie am liebsten?
  • Wofür werden Sie regelmäßig um Rat gefragt?
  • Was möchten Zuhörende nach Ihrer Vorstellung behalten?

Haltung ist mehr als aufrecht stehen

Mit Haltung meine ich eine innere Ruhe, die man von außen sieht. Sie zeigt sich im festen Stand, in einem Atemzug vor dem ersten Satz und darin, dass Sie nach dem letzten Satz einen Moment stehen bleiben. Viele eilen nach dem Sprechen sofort zurück auf den Platz und nehmen ihrer Aussage damit die Wirkung.

Üben Sie das zunächst allein. Stellen Sie sich hin, beide Füße gleichmäßig belastet, die Schultern locker. Atmen Sie aus, lassen Sie den Blick durch den Raum gehen und beginnen Sie erst dann. Im Kurs arbeiten wir damit in der Gruppe, weil sich Haltung vor echten Zuhörenden anders anfühlt als vor dem Spiegel.

Üben vor der Gruppe in kleinen Schritten

Der größte Fortschritt entsteht, wenn Sie Ihre Vorstellung laut vor Menschen sprechen. In der Gruppe beginnen wir bewusst klein: Zwei Sätze, ein Blickkontakt zu einer Person, dann zurück. Danach folgt eine kurze Rückmeldung, was klar ankam und wo ein Satz noch zu lang war.

Mit jeder Runde wächst die Länge, nicht der Druck. Nach einigen Durchgängen können die meisten ihren Kern in etwa einer Minute vortragen, ohne abzulesen. Wichtig ist mir, dass niemand eine Rolle spielt. Wenn ein Satz nicht zu Ihnen passt, streichen wir ihn, statt ihn auswendig zu lernen.

  • Zwei Sätze sprechen, einer Person in die Augen sehen
  • Eine Pause am Ende bewusst stehen lassen
  • Rückmeldung zu Klarheit und Tempo einholen

Was Sie in den kommenden Wochen konkret tun können

Wählen Sie einen Anlass, den Sie ohnehin haben: ein Teamtreffen, ein Jahresgespräch oder eine Runde mit neuen Gesichtern. Bereiten Sie dafür Ihre Vorstellung in drei Fassungen vor, einer sehr kurzen, einer mittleren und einer ausführlicheren. So sind Sie nicht überrascht, wenn die Zeit knapper ist als gedacht.

Sprechen Sie jede Fassung zweimal laut, am besten stehend. Bitten Sie eine vertraute Person um eine ehrliche Rückmeldung zu Tempo und Verständlichkeit. Notieren Sie danach, was Sie beim nächsten Mal anders machen möchten. Diese kleine Routine kostet wenig Zeit und zeigt schnell, wo Sie sich schon sicher fühlen.

Geduld mit sich selbst

Ein ruhiger Auftritt entsteht nicht in einem Abend. Rechnen Sie damit, dass sich Ihre Vorstellung mehrfach verändert, bis sie sich stimmig anfühlt. Das ist kein Rückschritt, sondern der Normalfall. Manche Teilnehmende streichen ganze Absätze und merken, dass weniger mehr Wirkung hat.

Achten Sie auch darauf, was bereits gut gelingt. Wer nur auf Fehler schaut, spricht angespannter. Ich bitte im Kurs deshalb immer zuerst um das, was geglückt ist, bevor wir über Verbesserungen sprechen. Diese Reihenfolge macht das Üben leichter und hilft, die eigene Stimme als Verbündete zu sehen.

Die Monate bis zum Jahresende bieten viele natürliche Gelegenheiten, sich vorzustellen und dabei zu üben. Klären Sie zuerst, was Sie ausmacht, geben Sie dem Satz Raum und sprechen Sie ihn vor echten Zuhörenden. Mit kleinen Schritten, einer ruhigen Haltung und freundlicher Rückmeldung wird aus der Pflichtübung ein Auftritt, der zu Ihnen passt.

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