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Warum wir mit dem Stehen beginnen

Wenn Teilnehmende zum ersten Mal in den Raum kommen, erwarten viele ein Programm aus Gesten und Tricks. Wir beginnen stattdessen mit dem Stehen. Zwei Füße, hüftbreit, das Gewicht gleichmäßig verteilt, die Knie nicht durchgedrückt. Das klingt unspektakulär, aber an dieser Stelle zeigt sich meist schon, was im Alltag unbemerkt mitläuft: das Wippen, das Verschränken der Arme, das Wegdrehen des Oberkörpers.

Ich lasse die Gruppe zunächst nur zwei Minuten still stehen und etwas Einfaches sagen, zum Beispiel den eigenen Namen und den Arbeitsbereich. Danach tauschen wir uns aus, was sich unangenehm angefühlt hat. Selten geht es um Fehler, meist um Gewohnheiten, die lange nützlich waren, etwa den Schutz durch verschränkte Arme.

Dieser ruhige Einstieg hat einen praktischen Grund: Wer sicher steht, muss weniger über seine Hände nachdenken. Haltung ist die Grundlage, auf der Gestik und Blickkontakt überhaupt erst gelassen wirken können.

  • Gewicht auf beide Füße verteilen
  • Knie locker lassen, Schultern sinken lassen
  • Zwei Minuten still stehen und bewusst atmen

Gestik: weniger erfinden, mehr zulassen

Im zweiten Schritt geht es um die Hände. Der häufigste Wunsch lautet, man möge doch sagen, welche Geste welche Wirkung hat. Ich antworte darauf zurückhaltend, denn einstudierte Gesten wirken schnell aufgesetzt. Wir arbeiten deshalb mit einer Ausgangsposition: Die Hände ruhen locker auf Höhe des Bauchnabels und lösen sich von selbst, wenn ein Gedanke danach verlangt.

In kleinen Übungen erzählen die Teilnehmenden eine Minute lang, wie ihr Arbeitstag beginnt. Beim zweiten Durchgang bitte ich sie, bei wichtigen Wörtern die Hände bewusst zu öffnen, etwa bei Zahlen oder Gegensätzen. Die Gruppe beobachtet und benennt, was natürlich wirkte und was gewollt.

So entsteht ein Gefühl dafür, welche Bewegungen zur eigenen Person gehören. Authentizität bedeutet bei uns nicht, nichts zu verändern, sondern aus dem Vorhandenen das auszuwählen, was den Inhalt stützt und nicht von ihm ablenkt.

  • Ruheposition der Hände auf Bauchhöhe
  • Gesten an Kernwörter koppeln, nicht an jeden Satz
  • Beobachtungen der Gruppe als Spiegel nutzen

Blickkontakt in der Praxis

Blickkontakt wird oft missverstanden. Es geht nicht darum, jemanden anzustarren oder alle drei Sekunden den Blick zu wechseln. Wir üben, einen vollständigen Gedanken zu einer Person zu sprechen und erst am Satzende weiterzuziehen. Das gibt dem Sprechenden Halt und den Zuhörenden das Gefühl, tatsächlich gemeint zu sein.

Dafür setzen wir die Gruppe in einem lockeren Halbkreis und lassen reihum kurze Aussagen vortragen. Wer vor Publikum gern über die Köpfe hinweg schaut oder auf die Notizen ausweicht, bekommt eine einfache Hilfe: Ich nenne vorab drei Punkte im Raum, die angesprochen werden sollen, bevor der Text beginnt.

Im Berufsalltag lässt sich das sofort übertragen, etwa auf ein Teamgespräch oder eine Präsentation vor einer Kundschaft. Die Technik bleibt dieselbe: ein Gedanke, ein Gegenüber, dann der nächste.

Die Videoanalyse: was wir ansehen und was nicht

Der sensibelste Teil ist die Videoanalyse. Viele Teilnehmende zögern, sich selbst zu sehen. Deshalb filmen wir zunächst kurz, und die Aufnahme gehört der jeweiligen Person. Wir sehen sie gemeinsam an, aber nie ohne Einverständnis. Bevor ich etwas sage, bitte ich die Person selbst, zwei Dinge zu nennen, die ihr positiv auffallen.

Erst danach ergänze ich Beobachtungen, immer konkret und am Bild: Wo wird die Haltung offener, wann beruhigt sich die Stimme, an welcher Stelle entsteht eine unnötige Bewegung. Ich bewerte nicht den Menschen, sondern beschreibe, was die Kamera zeigt. Das nimmt den meisten die anfängliche Scheu.

Beim zweiten Durchgang am Ende des Kurses vergleichen wir beide Aufnahmen. Dabei sind die Veränderungen oft kleiner, als man erwartet, aber deutlich genug, um im Alltag Sicherheit zu geben.

  • Aufnahme gehört der Teilnehmerin oder dem Teilnehmer
  • Zuerst Selbsteinschätzung, dann Rückmeldung
  • Beschreiben statt bewerten

Was in den Wochen dazwischen passiert

Körpersprache lässt sich nicht in einer einzigen Sitzung verändern. Zwischen den Terminen gebe ich kleine Beobachtungsaufgaben mit: ein Gespräch bewusst im Stehen führen, in einer Besprechung auf die eigene Sitzhaltung achten, beim Telefonieren die Schultern lösen. Nichts davon kostet Zeit, es verlangt nur Aufmerksamkeit.

Zu Beginn des nächsten Treffens berichten die Teilnehmenden kurz, was ihnen aufgefallen ist. Oft sind es Kleinigkeiten, etwa dass man im Gespräch mit der Führungskraft den Stift in der Hand drehte. Solche Entdeckungen sind wertvoller als jede Theorie, weil sie aus dem eigenen Alltag stammen.

Diese Rückkopplung zwischen Übung und Beruf ist der eigentliche Motor des Kurses. Der Raum bei uns bleibt ein geschützter Ort zum Ausprobieren, die Anwendung findet dort statt, wo sie gebraucht wird.

Was wir bewusst nicht versprechen

Es gibt Dinge, die wir nicht leisten können und auch nicht wollen. Wir verändern keine Persönlichkeit, und wir erzeugen keine Wirkung, die nicht zu Ihnen passt. Wer nach dem Kurs wie eine andere Person auftritt, hat meiner Ansicht nach etwas falsch gelernt.

Realistisch ist ein bewussterer Umgang mit dem, was Sie ohnehin mitbringen: ein ruhigerer Stand, klarere Hände, ein Blick, der Gedanken zu Ende führt. Wie schnell das gelingt, ist von Mensch zu Mensch verschieden und hängt auch davon ab, wie viel zwischen den Terminen geübt wird.

Deshalb bleibt mein Ton im Unterricht bewusst zurückhaltend. Fortschritt zeigt sich meist leise, und genau das macht ihn im Beruf verlässlich.

Körpersprache entsteht bei uns aus wenigen, klaren Schritten: sicher stehen, Hände zulassen, Blicke zu Ende führen und das Ergebnis auf Video ruhig betrachten. Nichts davon ist Schauspiel. Es geht darum, die eigene Wirkung kennenzulernen und gezielt zu wählen, was Ihren Inhalten dient. Mit etwas Geduld und regelmäßiger Übung im Alltag wird daraus eine Haltung, die man nicht mehr denken muss.

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